Zwei Erkenntnisse aus dem Hype um Videos im Internet

Videos werden gerade im Zusammenhang mit sozialen Medien im Moment enorm gehypet.  Ein Blick in den eigenen Facebook-Stream reicht, um das zu erkennen. Anscheinend steht dem Angebot auch eine entsprechende Nachfrage gegenüber. Ein Unternehmen wie Facebook würde Videos nicht so stark in den Vordergrund rücken, wenn es nicht die Erkenntnis gewonnen hätte, dass diese Content-Form bei den Nutzern besonders beliebt ist. Und tatsächlich scheint ein Wandel im  Nutzungsverhalten das Medienformat Video zu begünstigen.

Die folgenden Ergebnisse stammen aus der Studie Video Effects 2016 (Burda) und basieren auf der Befragung des BurdaForward Panels (zur Zusammensetzung und Soziodemographie s. [1]). Der Begriff des Videos ist im Sinne der Studie weit auszulegen und umfasst auch Filme und Serien; denn unter die Anbieter werden nicht nur Videoportale subsummiert, sondern auch Mediatheken und Streaming-Dienste.

Das Umfeld des Videokonsums

Im Einzelnen:

  • Laut der Studie stieg die Bereitschaft, sich Videos anzusehen, von 66 % (2015) auf 86 % (2016).
  • 49 % sehen sich täglich Videos an (2015 : 35 %).
  • Dabei werden Videos am häufigsten zuhause konsumiert (88 %). 3 % gaben an, Videos in der Schule, an der Uni oder in der Arbeit zu nutzen.
  • Etwa 42 % sehen sich Videos von bis zu 10 Minuten Länge an.
  • 70 % der Befragten sehen sich Videos auf dem Notebook oder Laptop an, immerhin 57 % auf dem Smartphone. Vielgucker nutzen vor allem das Smartphone

Videos werden immer beliebter. Die Nutzung dient dabei eher privaten als schulischen oder beruflichen Zwecken. Das kann aber auch daran liegen, dass das Angebot an Videos für schulische oder berufliche Zwecke einfach nicht groß genug ist. Erfolgreiche Videos müssen auf mobilen Endgeräten funktionieren. Denn mobile Endgeräte haben stationären, wie dem PC zuhause, endgültig den Rang abgelaufen.

Warum werden Videos geguckt?

Überraschend waren für mich die Gründe für den Videokonsum. Fast acht von zehn Befragten wollen sich mittels Video informieren und „nur“ jeder zweite guckt Videos zur Unterhaltung. Ich hätte das Verhältnis genau anders herum eingeschätzt.

Bei den Inhalten führen Musik, Nachrichten und Filme unangefochten. Die Einteilung der Inhalte in eher Information/Lernen vs. eher Unterhaltung stammt nicht aus der Studie, sondern von mir. Sie ist natürlich angreifbar. Sport und Reportagen z.B. können – je nach Interesse – auch der Information oder dem Lernen dienen. Aber sie spiegelt doch im Ansatz die beiden Gründe für die Video-Nutzung Information und Unterhaltung recht gut wieder.

Dröselt man den thematischen Schwerpunkt Anleitungen weiter auf, zeigt sich folgendes Bild:

Hier kann bereits ein erstes Zwischenfazit gezogen werden: Nimmt man die Computer-/Software-Tutorials heraus, dann dient das Video vor allem der Veranschaulichung konkreter Tätigkeiten. Das trifft zum Teil sicher auch auf Computer-Hardware-Tutorials zu. Selbst wenn eine Software in einem Tutorial dargestellt wird, geht es meist um deren Anwendung, was sich eben leicht in einer Live-Demo vermitteln lässt. Geballte Vermittlung abstrakter Informationen findet sich hier nicht. Das hat vermutlich einen Grund: Es gibt nichts zu sehen.

Wie lang darf ein Video sein?

Von der Länge des Videos hängt es ab, ob es zu Ende gesehen wird. 75 % brechen ein Video ab, wenn es  zu lang (2015: 47 %). Leider enthält die Studie keine Daten dazu, wann ein Video zu lang ist. An anderer Stelle [2] (und vermutlich eher im Kontext mit Werbevideos) sind folgende Zahlen zu lesen.

Nach 60 Sekunden ist die Hälfte der Zuschauer weg! Die Grafik der Zuschauerverluste beschreibt den klassischen degressiven Verlauf des abnehmenden Grenznutzens einer jeden weiteren Sekunde. Allerdings wird sie vermutlich eher auf Videos unter 5 min Dauer anwendbar sein. Denn wer eine Serie gucken oder einen  Film streamen will, hält auch locker 120 Minuten am Stück durch. Aber wer zum Beispiel in einem Erklärvideo nach einer Minute keine Hoffnung mehr hat, zu erfahren wie es geht, ist weg.

Auf den Punkt gebracht

Meines Erachtens lassen sich zwei Erkenntnisse für den Einsatz von Videos mitnehmen.

  1. Videos sind nur gerechtfertigt, wenn es wirklich etwas zu sehen gibt. Wer schon einmal versucht hat, nach einer Textanleitung etwas zu machen, ist dankbar für ein Video. Das Video zeigt wie es geht. Eine abstrakte Beschreibung muss nicht erst mühsam in konkrete Handlungsabläufe übersetzt werden. Das Video wirkt also kognitiv entlastend.
  2. Mehr noch als bei Texten gilt aber bei Videos: Komm auf den Punkt.  Weitschweifigkeit wird bestraft. Das ist auch intuitiv verständlich. Ein Video ist erst einmal eine Wundertüte. Bevor man nicht reingeschaut hat, weiß man nicht was drin ist. Da hat ein langer Text, wenn er gut strukturiert ist, einen großen Vorteil. Er kann zumindest überflogen werden um die richtige Stelle für den Einstieg in den Text zu finden. Das geht bei einem Video zwar im Prinzip auch, z. B. mit der Transkription in der Beschreibung. Aber dann kann der Zuschauer auch gleich lesen.

Weiterführende Hinweise

[1] Burda (2016) Video Effects 2016 https://www.burda-forward.de/uploads/tx_mjstudien/BF_VideoEffects_2016.pdf?PHPSESSID=4db45f76679135087e479b16283b9c35

[2] Optimale Videolänge im Internet [vermutlich 2015]

http://www.learn2use.de/optimale-videolange-im-internet/

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