Literaturrecherche – nicht ohne Katalog

Literaturrecherche ist gedanklich für die meisten einfach mit Universität verknüpft – während des Studiums, aber auch für Forschung und Lehre ist sie unerlässlich. Die Zettelkataloge sind in Form von OPACs (online public accessable catalogue) ins WWW gewandert und müssen sich dort harter Konkurrenz stellen. In erster Linie den Suchmaschinen, der Wikipedia oder kommerziellen Buchanbietern . Auch im Berufsleben fällt Literaturrecherche an: in den Abteilungen „Forschung und Entwicklung“ großer oder kleiner Firmen oder in medizinischen Praxen aller Art. Auch in diesen Bereichen ist die Zuverlässigkeit der Ergebnisse wichtig. Deshalb sollte Literaturrecherche meiner Meinung nach – nach einem möglichen ersten Überblick per Suchmaschine oder Buchhändler – in Katalogen stattfinden.

Warum Kataloge zur Literaturrecherche?

Kataloge bieten aufbereitete Informationen. Meist gehören sie zu einer Bibliothek und verzeichnen, die dort vorhandenen Publikationen. So wissen Sie nach einer Recherche in einem Bibliothekskatalog auch, wo Sie den gewünschten Titel finden. Für Bibliotheken in Ihrer Nähe interessant.

Das Zauberwort für Katalogrecherche ist „Erschließung“. Alle Titel, die in einer Bibliothek vorgehalten werden, sind erfasst. Um sie in den Katalog einzupflegen, müssen sie verschiedene Stadien durchlaufen:

  • Ihre Anschaffung wird abgewogen: Passt der Titel in die Bibliothek? Ist er zwingend erforderlich?
  • Ein Titel wird einer „Gruppe“ zugeordnet: z. B.: Welcher Fachbereich? Welche Unterkategorie? Gibt es die Möglichkeit, dass der Titel in mehrere Kategorien passt?
  • Die Erschließung: Hier verzeichnen Bibliothekarinnen und Bibliothekare die bibliographischen Daten (Autor_in, Titel, Jahr, Verlag usw.). Die Stichwörter aus dem Titel und Untertitel kommen ins Stichwortverzeichnis. Aus dem Inhaltsverzeichnis werden die Schlagwörter genommen. Diese Angaben sind für den Katalog wichtig – so kann man einen Titel auf verschiedenen Recherchewegen finden.

In der Erschließung läuft vieles „automatisch“, weil beispielsweise Verlage ihre Titel bereits mit den relevanten Begriffen für Schlagwortkataloge versehen. Doch in einer wissenschaftlichen Bibliothek – und auch großen Stadtbibliotheken – legt man Wert auf die eigene Erschließung.

Die abschließenden Schritte, bis ein Titel im Katalog und Regal auftaucht:

  • Signatur – die richtet sich meist nach der Einordnung ins Fachgebiet. Sie zeigt an, wo in der Bibliothek der Titel zu finden ist.
  • Technische Aufbereitung – Signaturaufkleber, oft eine Folie zum Schutz, ggf. Einkleben von Taschen etc. für Datenträger. Den Stempel gibt es meist schon bei der Ankunft.

Dann erst steht das Buch im Regal.

Zeitschriften kommen im laufenden Jahrgang als Einzelhefte an – ist eine Standardzahl an Heften erreicht (ein oder mehrere Jahrgänge), werden sie in Jahrgangsbänden fest gebunden. Kein Wunder, dass das etwas dauert.

Erschließung und Schlagwörter – die Auffindbarkeit im Katalog

Die Schlagwörter eines Katalogs sind das Gold der Bibliotheken, denn sie machen eine gezielte Recherche möglich.

Die meisten Kataloge bieten heutzutage, analog zu Suchmaschinen, eine „Freitextsuche“ an – eine Suchzeile, in die Sie alle Begriffe eintippen können, die Ihnen zu Ihrer Suche einfallen, unabhängig davon, in welche Kategorie sie gehören. Diese Begriffe durchlaufen während der Suchphase im Hintergrund alle Felder der ausführlichen Suchmaske. So kann es vorkommen, dass das Wort „Specht“, das den Vogel als Thema signalisieren soll, in der Ergebnisliste auch als Autorenname auftaucht. Wollen Sie solche Fehltreffer vermeiden, müssen Sie sich zu Beginn der Recherche Gedanken dazu machen, welche Art von Informationen Sie in welcher Kategorie benötigen. Dafür nutzen Sie dann die Suchmaske, in der die relevanten Bereiche – die bibliographischen Angaben und die Schlagwörter – durchsuchbar sind. Bei manchen Bibliotheken finden Sie die Maske erst unter „erweiterter Suche“.

Schlagwortsuche ist so eine Sache – einerseits geht man da gern intuitiv ran, andererseits folgt die Verschlagwortung gewissen Regeln. Erste und wichtigste: Substantive stehen in der Grundform, also im Singular und Nominativ. Schauen Sie sich bei einem für Sie interessanten Titel mal die Schlagwörter an. Oft stehen da einzelne Begriffe hintereinander. Es gibt aber auch Schlagwortketten – eine logische Aneinanderreihung von Begriffen, um ein Themenfeld genauer einzugrenzen, besonders Zeitangaben im Bereich Geschichte gehören dazu: Deutschland 1919-1933 analog zu Weimarer Republik z. B.

Auch in digitalisierter Form können Sie einen Schlagwortkatalog nutzen – die Verlinkung macht’s möglich: Klicken Sie das Sie interessierende Schlagwort an, der Link dahinter führt Sie – je nach OPAC sieht das verschieden aus – zu weiteren Titeln, die dazu passen.

Spezialbibliotheken ergänzen allgemeine Bibliotheken

Während die großen Universitätsbibliotheken und Verbundkataloge eine unüberschaubare Vielzahl an Publikationen in vielen Bereichen verzeichnen, bieten Spezialbibliotheken mehr oder weniger „Nischenprodukte“. Das kann auch groß und vielfältig sein, wie z. B. bei Econbiz , dem Rechercheportal der Zentralbibliothek Wirtschaft (ZBW) in Kiel. Es geht um Wirtschaft in allen denkbaren Façetten. Econbiz verzeichnet über den Bestand der ZBW hinaus auch Literatur aus anderen Quellen – für eine umfassende Recherche in diesem Fachgebiet ist also alles an einem Ort und das ist komfortabel. Braucht aber meist einiges an Zeit, denn in der Regel formulieren wir Suchanfragen nicht so sehr eng, weil die Sorge besteht, etwas zu übersehen.

Wer sich z. B. zu Themen rund um Messen informieren will, kann den OPAC der Messebibliothek in Berlin nutzen. Der Bestand ist zwar nicht so riesig, dafür aber äußerst spezialisiert. Die Messebibliothek bietet dabei nicht nur die spezielle Literaturauswahl, sondern auch die spezielle Literaturrecherchehilfe. Messen haben ja verschiedene Akteure: Veranstalter, Besucher und Aussteller. Die finden Sie in einem Dropdown-Menu mit der Überschrift „Sichtweise“. So können Sie bereits an dieser Stelle Ihre Suche sehr kleinteilig einschränken. Auch der „Schlagwortfilter“ ist hilfreich: Mit der Voreinstellung in diesem Feld verkürzen Sie die Schlagwortliste und finden sich so schneller zurecht.
Im Dropdownmenu „Hochschulen“, können Sie auswählen, aus welcher Hochschule Publikationen gefunden werden sollen.

Bibliotheksverbünde

Bei jeder Hochschulbibliothek, die Sie ansteuern, werden Sie auch in anderen Katalogen recherchieren können – sei es der Zusammenschluss von Bibliotheken in der jeweiligen Stadt oder ein Bibliotheksverbund. Die sind meist regional organisiert – in Deutschland gibt es sechs von ihnen:

  • GBV – Gemeinsamer Bibliotheksverbund für Bremen, Hamburg, Meck¬lenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
  • HBZ – Hochschulbibliothekszentrum für NRW und Teile von Rheinland-Pfalz
  • KOBV – Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg
    HeBIS – Hessisches Bibliotheks-Informationssystem, Hessen und Rheinhessen (Rheinland-Pfalz)
  • SWB – Südwestdeutscher Bibliotheksverbund, Baden-Württemberg, Saarland, Sachsen (Sächsischer Bibliotheksverbund)
  • BVB – Bibliotheksverbund Bayern

Auch in anderen Ländern finden sich solche Verbünde, z. B. in der Schweiz und Österreich. Hier sind die Hochschulbibliotheken der jeweiligen Regionen gleichzeitig durchsuchbar – für eine Überblicksrecherche wirklich gut geeignet.

Auf den Punkt gebracht

Bibliothekskataloge verzeichnen Literatur, die nach bibliothekarischen Regeln erschlossen wurde. OPACs sind die online durchsuchbaren Kataloge der Bibliotheken – eine große Recherchehilfe.Es gibt neben den Katalogen von Universitätsbibliotheken noch die von Bibliotheksverbünden oder von Spezialbibliotheken – für jede Art von Literaturrecherche gibt es geeignete Suchmöglichkeiten.