Google Scholar und die Literaturrecherche

Google Scholar bietet eine eingängige Form der Literaturrecherche an – sie wirkt intuitiv, ist verwandt mit Google und deshalb den meisten vertraut. Außerdem findet man häufig Treffer, auf die man direkt zugreifen kann. Das alles macht Google Scholar attraktiv. Jetzt kommt das Aber: Für eine gründliche Recherche reicht Google Scholar nicht aus. Und das nicht nur, weil es sich sowieso empfiehlt, mehrere Quellen anzuzapfen. Google Scholar ist eine Hybrid-Suchmaschine. Der zweite Teil des Wortes entlarvt das Problem: Es ist kein Katalog!

Bibliothekskatalog oder Datenbank versus Suchmaschine

Suchmaschinen crawlen durchs WWW und indizieren alles, was sie finden – URLs werden im Index mit den aufgefundenen Begriffen verknüpft. Das läuft automatisch. Es gibt keine Qualitätskontrolle. So arbeitet auch Google Scholar – es ist eine Suchmaschine. Die Suche im Netz ist für Google Scholar durch Adressen beschränkt, die zu Hochschulen gehören. Die Suchmaschine sucht also gezielt an Orten, an denen wissenschaftliche Texte vermutet werden können. Aber auch das ist nicht mit einer Erschließung durch Bibliotheken vergleichbar. Bibliothekskataloge erschließen die Inhalte, die sie verzeichnen, z. B. durch Schlagwörter. Da findet eine Sichtung statt. Nicht alles, was publiziert wird, findet Eingang in eine Bibliothek und wird katalogisiert.

Google Scholar kombiniert nun in gewissem Maße das Datenbank- und das Suchmaschinenprinzip, denn es gibt eine Kooperation mit wissenschaftlichen Verlagen. Man spricht hier von einer Hybrid-Suchmaschine, also einer Kombination verschiedener Elemente. Google Scholar listet somit auch Informationen auf, die im Deep Web liegen, z. B. hinter der Bezahlschranke eines Verlags. Von welchen Verlagen Google Scholar über Daten verfügt, wird nicht offen kommuniziert. Auch wenn Google Scholar auf wissenschaftliche Publikationen zugreifen kann, bleibt Google Scholar eine Suchmaschine, die keine redaktionelle Betreuung vornimmt, wie sie eine Erschließung analog zu der eines Bibliothekskataloges wäre. Die Suchergebnisse aus dem Kooperationen tauchen einfach neben denen der Suchmaschine auf. Im Zweifelsfalle merken Sie das erst, wenn Sie dem Link folgen und z. B. bei einer Bibliothek oder auf einem Campus eingeloggt sein müssen oder den Artikel zum Kauf angeboten bekommen, um auf den Text zugreifen zu können.

Wie arbeitet Google Scholar als Suchmaschine?

Als Suchmaschine nutzt Google Scholar eigene Suchmethoden, die erstens auf den Adressen von Hochschuleinrichtungen und wissenschaftlichen Verlagen (denken Sie an Open-Access-Publikationen) und zweitens auf dem Verweissystem innerhalb wissenschaftlicher Publikationen ausgerichtet sind. Die wichtigen Kriterien, um ein Dokument als wissenschaftlich einzuordnen, sind: Aufbau des Dokuments, ein Literaturverzeichnis .

Da Suchmaschinen von der Idee her eher Zufallsfunde (wenn auch in großer Menge) machen, können sie nicht gewährleisten, alles zu erfassen. Das ist bei Google Scholar nicht anders. Dieses systemimmanente Problem macht den ersten Haken bei einer Literaturrecherche mit Google Scholar deutlich.

Wo liegen die Probleme bei einer Literaturrecherche mit Google Scholar?

Das erste habe ich schon benannt: Die Zufälligkeit der Ergebnisse – die mangelnde Verlässlichkeit, alles Findbare, gefunden zu haben.

Innerhalb der Treffer zu filtern, ist bei Google Scholar möglich, aber nicht sehr differenziert: Es gibt nur einen Zeitfilter, der in den ersten Optionen nur von Zeitpunkt X bis heute vorgibt. Darunter steht dann die Möglichkeit für einen selbst gewählten Zeitraum.

Die Ergebnisse kann man nach Relevanz und nach Datum sortieren lassen. „Relevanz“ heißt bei einer Suchmaschine: Quantität. Je häufiger ein Treffer, der mit diesen Suchbegriffen verknüpft ist, angeklickt wurde, desto relevanter. Das führt dazu, dass ältere Publikationen automatisch nach oben rutschen – sie haben naturgemäß mehr Klicks als aktuelle Schriften. Um wirklich die aktuellen und inhaltlich relevanten Texte oben angezeigt zu bekommen, muss die Suchanfrage sehr differenziert und kleinteilig gestellt sein. Außerdem empfiehlt es sich, einen Zeitfilter zu setzen. Wenn Sie dann innerhalb einer nicht zu großen Treffermenge nach Datum sortieren, haben Sie die Aussicht, dass die von Google Scholar erfassten aktuellsten Texte oben erscheinen. Aber nur dann.

Google Scholar bietet – und das sieht sehr wissenschaftlich aus – die Möglichkeit, zu schauen, wie oft ein Titel zitiert wurde. Ein solches Ranking ist wichtig für die Relevanz von Publikationen. Schon der Journal Impact Factor, der jährlich anzeigt, aus welchen Zeitschriften wie häufig zitiert wird, ist nicht ganz unumstritten . Doch bei Google Scholar handelt es sich um ein eigenes Ranking, das auf den von der Suchmaschine erfassten Titeln beruht. Nach den Bemerkungen über die Zufälligkeit von Suchmaschinenfunden, können Sie sicher verstehen, dass ein solches selbst gemachtes Ranking eher zweifelhaft ist. Auch wenn Sie unter dem Label „Kennzahlen“ (das finden Sie hinter dem Menu-Symbol neben „Google Scholar“, ganz oben) die Möglichkeit haben, selbst nachzuschauen, wie diese Zahlen zustandekommen. Ob also „Zitate“ ein sinnvolle Option ist, müssen Sie bei jeder Recherche entscheiden.

Wo bleibt das Positive?

Mit der erweiterten Suche (hinter dem Menu-Symbol neben dem Schriftzug Google Scholar) können Sie verschiedene Suchbefehle nutzen:

  • Phrasensuche – genaue Wortfolge
  • Ausschlusssuche – bestimmte Begriffe dürfen nicht vorkommen
  • Intitle:-Suche – Begriff muss im Titel vorkommen
  • Autor-Suche – ist klar, oder? 😉
  • Journal-Suche – einen bestimmten Publikationsort

Nur die beiden letzten Optionen sind spezifisch für eine wissenschaftliche Literaturrecherche. Wenn Sie die „Kurzbefehle“ für die drei oberen Optionen kennen (Anführungszeichen, Minuszeichen, resp. NOT, intitle: ), können Sie sie auch einfach in der Suchzeile nutzen.

Patente einschließen zu können, ist für manche Bereiche tatsächlich hilfreich – wer es nicht braucht, sollte den Haken wegmachen, sonst wird es unübersichtlich.

Sie können, so Sie der ausgewählten Sprache mächtig sind, unter „Einstellungen“ die Sprache wechseln und so gezielt in einer Sprache recherchieren.

Der Reiter „Bibliothekslinks“ ermöglicht Ihnen den direkten Zugriff auf online verfügbare Medien ausgewählter Bibliotheken – Sie müssen dafür über eine Zugangsberechtigung, z. B. einen Leseausweis, verfügen.

Auf den Punkt

Google Scholar ist eine Hybrid-Suchmaschine für wissenschaftliche Literatur. Neben Ergebnissen der Suchmaschine zeigt sie Titel an, die Google Scholar aufgrund von Kooperationen mit Verlagen anzeigen kann. Die liegen oft hinter einer Bezahlschranke. Als Suchmaschine sind alle Treffer „Zufallstreffer“ – eine Suchmaschine kann auch in einem einzelnen Bereich wie dem der Hochschulpublikationen nicht alles erfassen. Am Ende bleibt festzuhalten: Für einen ersten Einstieg in ein Thema kann Google Scholar hilfreich sein. Doch eine solide Literaturrecherche sollte auf jeden Fall auf verlässliche Informationsquellen wie Bibliothekskataloge oder Datenbanken zurückgreifen