Jürgen Derlath hat Psychologie und Wirtschaftswissenschaften studiert und befasst sich mit Themen aus den Bereichen virtuelle Gemeinschaften und virtuelles Lernen.

Alle Artikel vonJürgen Derlath

Storytelling – oder warum wir misstrauisch werden sollten, wenn uns andere Geschichten erzählen wollen

Geschichten zu erzählen (Storytelling) ist eine sehr kraftvolle Art, die eigene Botschaft zu verbreiten – daher auch der Hype um Storytelling gerade in Wirtschaft und Politik. Das liest sich dann z. B. so:

„The most successful companies in the world have profound stories behind them (often deeply tied to their founders) that instill a sense of bigger purpose and meaning into what they do. For example, Apple, Tesla and Google are so much more than companies – they are legacy brands created by visionaries who aspire(d) to change the world.“

Die meisten dieser „profound stories“ gehören aber in den Bereich der hagiografischen Erbauungsliteratur für Führungskräfte. Sie sind post-hoc-Rationalisierungen, in denen im Nachhinein das Zusammenspiel von Talent und (glücklichen) Zufällen als das Werk eines von visionärer Weitsicht geleiteten Unternehmers gedeutet wird.

Woher aber nehmen Geschichten diese Kraft? Weiterlesen

Einfache interaktive Inhalte für multimediales Lernen erstellen

Virtuelles Lernen steht oft genug vor dem Engagement-Problem. Während in einer Präsenzsituation selbst ein dröges Thema von der Referentin oder dem Referenten engagiert vorgetragen wider alle Erwartung spannend werden kann, bleibt es dröge, wenn man sich in einem Web-based-Training durch monotone Video-Text-Sequenzen klicken muss.  Engagement in Lernsituationen besteht nach Clark und Mayer (2011) aus zwei Teilen, dem Verhaltens-Engagement und dem psychologischen Engagement. Beide müssen nicht notwendig zusammenkommen damit gelernt wird. Hohes psychologisches Engagement ist jedoch die Grundvoraussetzung und Verhaltens-Engagement (das man im virtuellen Kontext auch mit Interaktivität übersetzen kann) ist so etwas wie das Sahne-Häubchen. Kommen beide zusammen, kann spielerisches Lernen entstehen. Damit beides beim virtuellen Lernen zusammenkommt, braucht es didaktische Kreativität und technische Unterstützung. Für die technische Unterstützung bietet die Online-Plattform H5P eine umfangreiche Sammlung.

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Fake News sind ein Frontalangriff auf die vierte Gewalt in einer Demokratie

Das Phänomen ist nicht spezifisch internetbedingt: 1898 standen die USA und Spanien kurz vor dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg. Im Januar desselben Jahres traf die USS Main, ein Schlachtschiff, im Hafen von Havanna ein. Wenige Tage später sank sie nach einer verheerenden Explosion, bei der 268 Menschen ums Leben kamen. Die öffentliche Stimmung in den USA wurde unter anderen von den Publizisten William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer weiter angeheizt. Von Hearst ist die Anweisung an seinen Korrespondenten in Havana überliefert: “You furnish the pictures. I’ll furnish the war.“ [1] Damals war der Pressemarkt ein überaus lukratives Geschäft und im Kampf um Auflage war jedes Mittel recht. Unter Umständen wäre der Spanisch-Amerikanische Krieg nicht ausgebrochen, wenn nicht dieser erbitterte Kampf um Marktanteile stattgefunden hätte. Diese und vergleichbare Exzesse waren der Grund für verschiedene Presse-Kodices. Und es dauerte Jahrzehnte, das Vertrauen aufzubauen, dass eine vierte Gewalt in einer Demokratie braucht. [2]

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„Zerstören soziale Netzwerke unser gesellschaftliches Gefüge?“

Mit diesem Titel initiierte die Süddeutsche Zeitung Ende Dezember 2017 eine Leserdiskussion [1] Unter den Lesern entspinnt sich eine an sich lesenswerte Diskussion, die sich  – da nicht moderiert – immer weiter von der Frage entfernt. Allerdings muss man zugeben, dass die Frage auch schwer zu beantworten ist. Denn was ist unter dem „gesellschaftlichen Gefüge“ zu verstehen, das da durch soziale Netzwerke (gemeint waren wahrscheinlich soziale Medien und das Internet) zerstört werden soll. Eine Antwort könnte die Forschung zum „sozialen Kapital“ liefern. Weiterlesen

Das soziale Internet ist gekommen, um zu bleiben

Kritische Stimmen haben die Entwicklung des Internets von Beginn an begleitet. In letzter Zeit wird verstärkt vor den Gefahren der sozialen Medien gewarnt. Grund ist vor allem das krasse Fehlverhalten von Facebook und die Art und Weise, wie das Unternehmen mit seinen Fehlern umgeht. Allerdings werden wir uns alle an das soziale Internet gewöhnen müssen, denn es ist gekommen um zu bleiben. Zu sehr sind gerade die sozialen Medien Ausdruck unserer menschlichen Natur.

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„Können wir Facebook wieder dafür nutzen, wofür es ursprünglich gemacht wurde – um nachzuschauen, wie fett der Ex-Partner geworden ist?“ (Bill Maher)

Unlängst machte Apple-CEO Tim Cook von sich reden, als er sich dafür aussprach, die Nutzung von Technik in Schulen einzuschränken und durchblicken ließ, dass er seinem Neffen verboten habe, in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Und Sean Parker, Mitgründer von Napster und langjähriger Berater von Facebook, wird mit den Worten zitiert: „Gott allein weiß, was Facebook mit den Gehirnen unserer Kinder macht.“ Social Media hat ein Problem und das nicht erst seit der unrühmlichen Rolle von Facebook im amerikanischen Wahlkampf. Plattformen, deren selbst-erklärtes Ziel es ist, uns alle einander näher zu bringen und glücklich zu machen, scheinen das Gegenteil zu bewirken. Weiterlesen

Was macht eigentlich gute Videos aus?

Video unterstützt in vielen Bereichen die Ausbildung und in Online-Kursen sind Lehrvideos oft ein zentraler Bestandteil. Video transportiert die Inhalte sowohl auditiv als auch visuell und schafft so eine multisensorische Lernumgebung, von der es heißt, dass sie besonders lernförderlich sei. Dass multisensorische Lernumgebungen lernförderlich sein können (und unter welchen Bedingungen sie es sind), ist in Laborexperimenten mehrfach untersucht worden. In der Praxis herrscht dennoch Verunsicherung darüber, was wirklich gute Videos ausmacht. Weiterlesen

Auf der Content-Flut schwimmen, statt darin unterzugehen

Content Marketing, der Januskopf aus Vermarktung von Inhalten und Marketing mit Inhalten, ist mehr als nur eine Modeerscheinung. Es markiert eine neue Einstellung des Inhalte-Produzenten zu seinen Inhalten. Diese neue Einstellung ist auch dringend erforderlich, will er nicht in der Flut der konkurrierenden Inhalte untergehen. Weiterlesen

Zwei Erkenntnisse aus dem Hype um Videos im Internet

Videos werden gerade im Zusammenhang mit sozialen Medien im Moment enorm gehypet.  Ein Blick in den eigenen Facebook-Stream reicht, um das zu erkennen. Anscheinend steht dem Angebot auch eine entsprechende Nachfrage gegenüber. Ein Unternehmen wie Facebook würde Videos nicht so stark in den Vordergrund rücken, wenn es nicht die Erkenntnis gewonnen hätte, dass diese Content-Form bei den Nutzern besonders beliebt ist. Und tatsächlich scheint ein Wandel im  Nutzungsverhalten das Medienformat Video zu begünstigen. Weiterlesen

Hörst Du schon oder liest Du noch?

Im Beitrag zum mobilen Lernen in diesem Blog-Beitrag hatte ich die Einschätzung wiedergegeben, dass Audio-Inhalte im Bereich der Fachinformation nicht so verbreitet seien. Die Einschätzung bezog sich auf die Medienform Podcast, also abonnierbare Audio-Inhalte,  und weniger auf das Hörbuch. Denn inzwischen gibt es eine Vielzahl von vor allem für ein breites Publikum geschriebenen Fachbüchern auch als Hörbuch. Meine Vermutung war, dass dem Sinneskanal  Hören nicht so viel zugetraut werde wie dem Sehen. Auf der Suche nach möglichen Ursachen für die Unterschätzung des Hörens bin ich auf zwei  Ansichten gestoßen, die mit daran Schuld sein könnten. Weiterlesen