Was wollen die Leute bloß lesen?

Nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten sich zu informieren. Es gibt circa 1600 Publikumszeitschriften in Deutschland (Stand 2016) und circa 3800 Fachzeitschriften (Stand 2014, Quelle statista). Und die meisten haben zusätzlich einen eigenen Internetauftritt, manche publizieren einen Teil der Texte zuerst oder ausschließlich im Internet.

Seitdem das Internet zur Informationsquelle Nummer eins geworden ist, funktionieren viele Printkonzepte nicht mehr zuverlässig gut. Die Auflagenhöhe der meisten Zeitschriften ist auch wegen der steigenden Titeldichte in den letzten Jahren gesunken. Aber auch im Internet wird es immer schwieriger, Menschen zum Lesen zu bewegen. Die Konkurrenz ist immer nur einen Klick entfernt und Google als Türsteher macht die Sache nicht per se leicht, gefunden zu werden. Es braucht schon stimmige Konzepte und eine überzeugende Umsetzung, damit das eigene Angebot wahrgenommen und gelesen wird.

Im Ringen um Reichweite und Leserbindung spielt die Themenauswahl der Zeitschrift oder des Internetangebots eine wichtige Rolle. Welche Themen funktionieren, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

Faktoren für die Themenauswahl

Kriterien, nach denen Themen ausgewählt werden können, sind zum Beispiel:

  • Aktualität: Das, was gerade passiert oder passiert ist, ist interessanter als Ereignisse, die schon länger zurückliegen.
  • Bedeutung: Ereignisse, die viele Menschen betreffen, sind wichtiger als solche, die begrenzte Auswirkungen haben. Aber auch Ereignisse, die stark in das Leben einiger eingreifen, können für viele Leser bedeutsam sein.
  • Nähe: Bei lokalen Medien ist damit die räumliche Distanz gemeint. Je dichter die Leser am Ort des Geschehens dran sind, desto wichtiger ist das Thema. Mit Nähe kann aber auch gemeint sein, dass die Leserschaft selbst unmittelbar von einer Entwicklung betroffen ist, zum Beispiel von einem neuen Gesetz.
  • Interesse: Was berühmten Personen passiert, ist für viele Menschen interessant, aber auch Geschichten unbekannter Menschen, die an das eigene Leben anknüpfen und die kurios, witzig oder traurig sind.
  • Kontroversen: Themen, die viel diskutiert werden, zu denen es unterschiedliche Meinungen und Positionen gibt, werden häufig aufmerksam verfolgt.Fragen, mit denen sich Themen aufspüren lassen:
  • Was ist für meine Leser neu?
  • Was ist für meine Leser wichtig?
  • Was ist für meine Leser von Interesse?

Die Relevanz der Themen hängt also immer von den Lesern ab. Bei Fachzeitschriften sind das oft Angehörige weniger Berufsgruppen, die Themenauswahl deshalb meist sehr „spitz“.

Auswahlprozess

Bei Themen für eine spezialisierte Leserschaft ist besonders wichtig, dass sie möglichst nah an der Zielgruppe sind, also eine Relevanz für ihre berufliche Praxis haben. Ob das so ist, muss von den Redakteuren beurteilt werden können. Deshalb ist es bei Fachmedien besonders wichtig, dass die Redakteure und Autoren möglichst viel Einblick in die Themen- und Lebenswelt der Leserschaft haben.

Sie sind deshalb häufig darauf angewiesen, Praktiker in den Auswahlprozess einzubeziehen. Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Fachautoren, die nebenberuflich Texte schreiben
  • Fachautoren, die zuvor im entsprechenden Ressort ausgebildet wurden und/oder in der Branche gearbeitet haben
  • Autoren, die enge Kontakte zur Leserschaft haben
  • Einbeziehen der Leser durch Frage-Antwort-Formate und Social-Media-Präsenz

Die Themenauswahl ist meist ein Prozess, an dem neben Redakteur und Ressortleitung auch Fachleute beteiligt sind, die nicht Teil des Redaktionsteams sind.

Themen darstellen

Ein relevantes Thema allein ist aber noch kein Lesegarant. Themen können relevant sein und trotzdem nicht funktionieren, wenn das Medium und das Format ihm nicht gerecht werden können. So sind zum Beispiel Nachrichten, in denen viele Zahlen vorkommen, als purer Text nur schwer verdaulich. Hier kommt man ohne grafischen Zusatz nicht weit. Komplizierte Sachverhalte stellt man am besten auf mehreren Ebenen dar. Eine Kombination von beispielsweise Text und Video oder Grafik und Audio können hier den Erfolg erst möglich machen. Redakteure sollten also immer auch fragen: Mit welchem Format gelingt es am besten, ein Thema für die Leser begreifbar zu machen?

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