Mobiles Lernen mit Audio-Medien – Weiterbildung unterwegs

Jede Erwerbstätigkeit, ob abhängig oder selbstständig ausgeübt, verlangt heute, dass man das Wissen ständig aktuell hält. Oft aber lässt die Tätigkeit selbst kaum noch Zeit, sich weiterzubilden. Außerdem erfordern viele Lernformen zeitliche und räumliche Planung (z.B. das Präsenzseminar). Mobiles Lernen (mobile learning, M-learning) hingegen verspricht, dass spontan an jedem beliebigen Ort gelernt werden kann – also an der Bushaltestelle,  in der U-Bahn oder während Autofahrten. Das ist verlockend, denn gerade wer etwa viel im Auto unterwegs ist, möchte vielleicht die Leerzeit als Lehrzeit sinnvoll nutzen. Da das Smartphone zum ständigen und vielseitigen Begleiter im Alltag geworden ist,  wird mobiles Lernen nach Auffassung  des mmb Instituts für Medien- und Kompetenzforschung noch mehr an Bedeutung gewinnen. Gemäß dessen Trendstudie  2016 sehen  86 Prozent der befragten E-Learning-Fachleute mobile Anwendungen/Apps als das in den kommenden Jahren wirtschaftlich erfolgreichste Lernformat. [1]

Was eigentlich ist mobiles Lernen ?

Es finden sich verschiedene Definitionen für Mobiles Lernen. Aber zwei Merkmale sind prägend: die Fähigkeit, überall und jederzeit zu lernen  und die Nutzung mobiler Endgeräte – wobei Smartphone und Tablet im Vordergrund stehen und weniger das Laptop. Somit liegt der Fokus bei der Mobilität des Lernenden und der technologischen Unterstützung des Lernens [2]  Teilweise wird zusätzlich die Forderung erhoben, dass mobiles Lernen gerätespezifische Features berücksichtigen sollen (z.B. die Kamera oder den Lagesensor), was sich aber mehr auf die Gestaltung der mobilen Lerninhalte bezieht. Mobiles Lernen selbst soll kein Ersatz für klassische Lernmedien oder das E-Learning sein, sondern es sinnvoll ergänzen bzw. erweitern.

Dem entscheidenden Vorteil wohnt zugleich ein Nachteil inne: Wenn spontanes Lernen ermöglicht werden soll, dann müssen die Inhalte auch entsprechend aufbereitet sein.  Denn spontanes Lernen findet häufig nur für kurze Zeit statt und wird oft unterbrochen.

Lernen nur durch Zuhören – Audiomedien

Für mobiles Lernen kommt im Grunde jedes Medienformat in Frage, das nutzerfreundlich auf einem Smartphone/Tablet eingesetzt werden kann. Text als (enhanced) EPUB oder PDF und Video gehören genauso dazu wie Audioinhalte. Audioinhalte bieten eine Reihe von Vorteilen für das mobile Lernen. Für den Nutzer ist sicher interessant, dass sie in Form eines Podcasts „abonniert“  werden können; man muss sich also nicht jedes Mal selbst um die Aktualisierungen kümmern. Podcasts gibt es seit etwa 10 Jahren. Sie sind z. B. im Unterhaltungsbereich sehr erfolgreich (siehe die Mediatheken der öffentlich rechtlichen Sender). Im Bereich der Fachinformation sind sie nicht so verbreitet, erst recht, wenn man sie mit den für das Auge aufbereiteten Inhalten vergleicht.

Natürlich weist das Zuhören gegenüber dem Lesen eine Reihe von Besonderheiten auf – nicht zuletzt aus Praktikabilitätssicht des Lernenden. Schwankt beispielsweise die Aufmerksamkeit, dann ist es beim Lesen ein Leichtes an eine beliebige Stelle zurückzukehren. Bei einem Vortrag in Echtzeit ist das ohne Unterbrechung nicht möglich. Bei einer Aufzeichnung wiederum stellt sich das Problem, mit der Steuerung an die richtige Stelle zurück zu gelangen.

Dafür lässt sich das Zuhören aber ganz gut mit anderen Tätigkeiten verbinden. Dazu zählen einfache mechanische Tätigkeiten wie Joggen und Aufräumen aber auch komplexe automatisierte Tätigkeiten wie z.B. das Autofahren.  Voraussetzung ist jedoch, dass die Inhalte entsprechend strukturell und sprachlich aufbereitet wurden. Das ist für die Produzenten anspruchsvoll. [8] Für Printmedien gibt es da eine Vielzahl von Strukturierungsmöglichkeiten: Gliederungen werden über Zwischenüberschriften vermittelt,  Sinnzusammenhänge mittels Absätzen hergestellt und Aufzählungen durch Spiegelstrich kenntlich gemacht. Grafiken helfen, komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen. In Grafiken wiederum können bestimmte Teile hervorgehoben werden, um das Verstehen zu erleichtern. Die Bedeutung der einzelnen Verständnishilfen sind dabei Erwachsenen bereits bekannt.  Auch bei Audiomedien gibt es solche Möglichkeiten (z.B. Modulation, Sprecherwechsel, einprägsame Erkennungsmelodien, Dramatisierung etc.). Anders als beim Spiegelstrich in der Aufzählung ist die Bedeutung des Mittels nicht von vornherein eindeutig. Sie muss beim Zuhören gelernt werden.

Audio  als Teil eines Medienmixes

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Audiomedien besonders wirkungsvoll als Bestandteil eines Medienmixes sind. Sie ergänzen z.B. Printmedien bei der Selbstinstruktion (als Audiodateien eines Sprachkurses). Mit Audiomedien lassen sich aber auch Wissensangebote vor- bzw. nachbereiten (Mitschnitt einer Vorlesung, Lehrbuch vorlesen lassen).  Gut aufbereitete Audioinhalte, z.B. mit Elementen der Dramatisierung,  wirken darüber hinaus motivierend. [4] Gerade wer viel unterwegs ist, kann Leerzeiten dafür nutzen, sich auf dem Laufenden zu halten. Hierfür eignen sich besonders kurze in sich abgeschlossene Inhalte.

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[1] mmb Trendstudie (2016): Die Zukunft gehört dem Mobile Learning.(->)

[2] Traxler, J. (2009): Current State of Mobile Learning. in Ally, M. Mobile Learning Transforming the Delivery of Education and Training. (->)

[3] Krauss-Hoffmann, P., Kuszpa, M., Sieland-Bortz, M. (2007): Mobile Learning  – Grundlagen und Perspektiven. (->)

[4] Schmidt, C. (2014): Podcasts in pädagogischen Kontexten: Einsatzmöglichkeiten und effektive didaktische Ausgestaltung innovativer Audiomedien . Diplomica Verlag GmbH, Hamburg.

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1 Kommentare

  1. Pingback: Hörst Du schon oder liest Du noch? – Wissenskurator

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