Fake People – Wie man Social Bots in Schach hält

Wie man Fake News erkennen kann und was überhaupt Fake People sind, haben wir uns in diesem Blog schon angesehen. Die Frage bleibt, was man gegen das Internetphänomen der Lügen und falschen Identitäten tun kann. Im 4. Teil unserer Reihe zu Lügen und Meinungsrobotern stellen wir Strategien und Lösungsmöglichkeiten vor.

Was jeder Einzelne tun kann

Das Wichtigste im Kampf gegen Lügen und falsche Nutzerprofile, die diese Lügen oder Hassbotschaften massenhaft verbreiten, ist Aufklärung. Jeder, der ein Social-Media-Profil pflegt, sollte sich darüber informieren, wie man Fake News und Bots erkennt. Das Stichwort dazu heißt Media Literacy, zu Deutsch: Medienkompetenz.

Das ist tatsächlich die erste und wichtigste Strategie, um die Gefahr die von Lügen und Meinungsrobotern ausgeht, abzuwehren. Experten fordern, Medienkompetenz als Schulfach einzuführen oder zumindest große Anstrengungen zu unternehmen, um Schülerinnen und Schüler darüber aufzuklären. Aber auch Online-Kampagnen zum Thema sollten die Runde machen. Ein gutes Beispiel zur zielgruppengerechten Aufklärung ist die Kampagne der Bundeszentrale für politische Bildung, bei der junge Erwachsene auch per Youtube angesprochen werden.

Denn nur, wenn man weiß, was Fake News sind kann man sie erkennen und die Verteilungskette unterbrechen. Das Wichtigste im Kampf gegen Lügen, ist, sie einfach nicht weiterzuerzählen.

Noch schwieriger wird es bei Meinungsrobotern. Sie zu erkennen, ist nicht leicht, auch, weil es schwer ist, das Phänomen überhaupt zu verstehen. Die Forschung darüber steht noch ganz am Anfang. Dennoch gilt auch hier: Wer sich einen Bot-Follower eingefangen hat, sollte auf keinen Fall mit ihm interagieren und ihn stattdessen so schnell es geht blocken. Und natürlich sollte man Social Bots auch nicht folgen, um sich vor manipulativen Nachrichten zu schützen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Wichtiger, als jeden einzelnen verdächtigen Account zu entfolgen oder zu blocken, ist, die Information einzuordnen, die er verbreitet. Es läuft also nicht nur darauf hinaus, Medienkompetenz zu haben, sondern Allgemeinbildung und ein einigermaßen aktuelles Wissen darüber, welche Themen im Netz gerade wichtig sind und auch, welche Themen offline gerade wichtig sind. Es geht darum, kritische Fragen stellen zu können: Welches Interesse könnte der Account verfolgen? Wem nützt die Botschaft? Was wird sonst noch über das Thema berichtet? Wie lässt sich die Botschaft in dieses Informationsökosystem einordnen?

Letztlich heißt das: Man muss sich genügend Zeit nehmen für Social Media, um Follower und Themen richtig einordnen zu können.

Was soziale Netzwerke und Plattformen tun können

Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz will der deutsche Gesetzgeber seit Oktober 2017 soziale Netzwerke und Plattformen stärker in die Pflicht nehmen. Inhalte, die gegen geltendes Recht verstoßen, sollen von den Tech-Firmen gelöscht werden. Das können Fake News sein, es können aber auch Inhalte sein, die unter andere Kategorien fallen. Das Gesetz wird kritisch gesehen, weil nicht eindeutig ist, ob dadurch Zensur ermöglicht wird.

Gegen das Gros der Fake News und Botaktivitäten wird das Gesetz nicht vorgehen können, da es um strafrechtlich relevante Inhalte geht, nicht aber um Meinungsmanipulation und politische Propaganda. Die Netzwerke selbst versuchen hiergegen mit verschiedenen Mitteln zu kämpfen, zum Beispiel mit der Kennzeichnung von Fake News oder durch Anpassung der Algorithmen. Diesen Anstrengungen werden allerdings keine großen Erfolgschancen eingeräumt. Hinzu kommt, dass es Hinweise darauf gibt, dass Facebook an einem Zensurtool für den chinesischen Markt arbeitet. Die Unabhängigkeit des Netzwerks muss damit stark angezweifelt werden.

Twitter hat im Vergleich zu Facebook ein deutlich größeres Botproblem, gegen das es bisher keine effektiven Gegenmaßnahmen ergriffen hat. Auch hier gilt: Algorithmen sind keine Wunderwaffe, im Zweifel passen sich die Hacker an die neuen Bedingungen an – ähnlich wie Viren. Deshalb muss man sich die Frage stellen: Was stärkt das Immunsystem? Mit welcher Kultur können Menschen ihre Internetumgebung vor Fake-Befall schützen?

Was Journalisten tun können

Nicht nur vor dem Brexit-Referendum und der US-Wahl sind Fake News aus dem Netz in Printmedien gelandet. „Darüber spricht das Netz“ ist eine beliebte Rubrik in Zeiten, in denen Online-Medien auf Clickbaiting setzen, um kostenlos angebotene Inhalte mit Werbung gegenfinanzieren zu können.

Journalisten sollten also vorsichtig sein, wenn sie Themen, die trenden, ungeprüft ins Blatt heben. Bei sogenannten Influencern mit vielen Followern können auch viele Fake-Profile oder Bots dahinterstecken, der Einfluss dieser Account kann also viel geringer sein, als ein oberflächlicher Blick auf die Zahlen nahelegt. Und die beliebten Online-Umfragen können leicht durch Botnetze und vernetzte Interessengruppen manipuliert werden, eignen sich im Zweifel also nicht, um ein Meinungsbild einzuholen.

Journalisten haben eine große Verantwortung für die öffentliche Meinungsbildung und sollten deshalb bei Beiträgen, in denen es um die Netzmeinung geht, genau die gleichen journalistischen Standards anlegen wie bei anderen Recherchen. Darüber hinaus können sie einen wichtigen Beitrag zu Aufklärung und Verbesserung der Medienkompetenz leisten.

 Auf den Punkt gebracht

Zurzeit wird viel darüber gerätselt, wie man das Internet von der Fake-Verschmutzung befreien kann. Um das Problem einzudämmen, ist in erster Linie jeder Einzelne gefragt. Durch mehr Medienkompetenz (Media Literacy) gelingt es leichter, Falschmeldungen und Bots zu erkennen und richtig mit ihnen umzugehen: nicht verteilen, nicht interagieren, stattdessen blockieren. Journalisten können einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Internetöffentlichkeit leisten. Und der Gesetzgeber kann soziale Netzwerke und Plattformen stärker in die Pflicht nehmen, strafrechtlich relevante Inhalte zu löschen.

Man sollte sich bei all diesen Bemühungen aber keine Illusionen machen: Die Wunderwaffe gegen Lügen und Meinungsroboter ist nicht in Sicht. Im Netz werden dieselben Spiele gespielt wie im Offline-Leben – nur mit anderen Mitteln.

Mehr dazu, wie man Fake News und Fake People erkennt, lesen Sie in den Beiträgen Was sind Fake News und wie kann man sie erkennen?, Fake People – Den Einfluss von Bots verstehen und Fake People – Social Bots erkennen.

 

Quelle

Fake-News, Bots und Sockenpuppen – eine Begriffsklärung

Mike Hind: Battling the bots in the war of the web

‚Look over there!‘ How the social media giants got a free pass on Twitter during the #techhearings

Political bots are poisoning democracy – so, off with their heads

 

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