Noch mehr Online-Tools zur Textverständlichkeit

Im September 2016 hatte ich drei kostenfreie Online-Tools vorgestellt, mit deren Hilfe anhand der Oberflächenstruktur des Textes die Leseschwierigkeit/Textverständlichkeit in Form einer Index-Zahl objektiv gemessen werden kann. Ein Manko dieser Tools ist, dass sie mit der Indexzahl nicht auch gleich Verbesserungsvorschläge mitliefern. Die beiden Tools, die ich in diesem Beitrag vorstellen möchte, machen solche Verbesserungsvorschläge.

Das Textanalyse-Tool von Wortliga

Das Online-Tool von Wortliga basiert auf den vier Dimensionen des Hamburger Verständlichkeitsmodells: Einfacheit, Gliederung, Prägnanz und Anregung. Jede Dimension ist messbar (Einfachheit z.B. über die Satzlänge) und trägt positiv oder negativ zur Verständlichkeit eines Textes bei.

Wie bei allen Online-Tools wird der Text in ein Eingabefeld kopiert und dann zunächst analysiert. Analysekriterien sind u.a. Satzlänge, Passiv-Sätze, Zeitform Perfekt, unpersönliche Sprache, Modalverben, Abkürzungen, Wortlänge, Füllwörter, Phrasen und Nominalstil. Das Ergebnis wird in Form einer Ampel neben dem Text dargestellt. Wer unsicher ist, was zu tun ist, bekommt Vorschläge, wie der Text verbessert werden kann. Fährt man mit der Maus über die Felder der Ampel, werden die entsprechenden Stellen im Text hervorgehoben. Manchmal gibt es regelrechte Hotspots, wo sich gleich mehrere Verstandnishürden knubbeln. Der Text kann dann direkt aus dem Tool heraus verbessert werden.

Das Online-Tool beurteilt den Text bei den Kriterien Satzlänge, Wortlänge, Füllwörter und Phrasen nach voreingestellten Kriterien – leider ohne genau anzugeben, ab wann z.B. ein Satz/ein Wort zu lang ist. Auch kann der Nutzer diese Kriterien nicht nach seinen Bedürfnissen abwandeln. Als intensiver Nutzer von LIX vermisse ich den „Statistik-Teil“ mit Angaben zur Oberflächenstruktur des Textes (Anzahl der Wörter/Sätze, durchschnittliche Satzlänge etc.).

Das Textanalyse-Tool von Schreibelabor

Das Tool zur Textanalyse von Schreiblabor ist ähnlich aufgebaut. Auch hier werden Kriterien wie Wort- und Satzlänge, Phrasen, Füllwörter und sogar Anglizismen zur Beurteilung des Textes herangezogen. Treffer im Text werden ebenfalls hervorgehoben.

Bemerkenswert ist, dass der Nutzer die Kriterien teilweise sogar selber einstellen kann. Zusätzlich liefert das Tool eine Statistik und errechnet mehrere Indices.

Auf den Punkt gebracht

Wie schon im ersten Beitrag möchte ich eigentlich keine Empfehlung für oder gegen eines der Tools abgeben. Beide sind hilfreich und man sollte allein schon wegen des Selbsterkenntnis-Wertes ruhig öfter damit arbeiten. Schnell wird einem bewusst, wie viel einem an Textunarten wie Stopf- und Nominalstil mitunter eben doch durchgehen. Gerade Zusammenballungen werden von den Tools durch die Hervorhebung im Text vor Augen geführt. Im Sinne eines Vier-Augen-Prinzips können diese Tools die Rolle des ersten Lesers übernehmen, der stilistische Hinweise gibt.

Wichtig: Beide Online-Tools weisen neben der Textanalyse auch Index-Werte mit einer Einschätzung der Textverständlichkeit aus. Wer dauerhaft mit einem der Tools arbeiten möchte, sollte das Tool vorher „eichen“. Dafür gibt man möglichst viele eigene Texte ein, die die eigenen Qualitätsanforderungen erfüllen und schaut welchen Indexwert sie im Mittel erzielen. Gerade auch in Redaktionen empfiehlt sich das, um sich dann auf eine gemeinsame zulässige Bandbreite des Indexwertes zu einigen.

Weiterführende Hinweise

Derlath, J. (2015). Online-Tools zur Textverständlichkeit im Selbsttest. www.wissenskurator.de
Lesbarkeitsindex (LIX) von Psychometrika
o.V. Hamburger Textverständlichkeitskonzept. www.wikipedia.de
Textanalyse mit Wortliga
Textanalyse mit Schreiblabor

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2 Kommentare

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